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Freiburger Moraltheologe bei Studientag der Katholischen Aktion in Salzburg: Biblische Gründe und frühkirchliche Praxis sprechen gegen Sakramentenausschluss
SALZBURG, 02.02.2012 (KAP) Für eine theologische Neubewertung von wiederverheiratet Geschiedenen und einen damit verbundenen neuen kirchlichen Umgang mit ihnen hat der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff plädiert. Die Kirche müsse ganz im Sinne der biblischen Quellen und ihrer frühkirchlichen Praxis wieder stärker die Versöhnungsbereitschaft betonen und nicht durch "moralische Verurteilung" das Gefühl "schmerzlichen Ausgegrenztseins" oder gar des Desinteresses bei Betroffenen fördern, sagte Schockenhoff am Mittwoch. Er äußerte sich bei einer Studientagung der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) am in Salzburg.
"In Trennung lebende, geschiedene oder auch wiederverheiratete Menschen stehen nicht am Rand der Kirche, sondern gehören wie viele andere schuldbeladene oder gescheiterte getaufte Christen zu ihr", so Schockenhoff. Er befasste sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Problematik, so etwa in seinem jüngsten Buch, dessen Titel auch für den Studientag als Motto diente: "Chancen zur Versöhnung? Die Kirche und die wiederverheirateten Geschiedenen". Eine Zusammenschau seiner Thesen, die seinem Salzburger Vortrag zugrunde lagen, findet sich auch in einem Beitrag für die Freiburger "Herder Korrespondenz" (Ausgabe August 2011).
Konkret sprach sich Schockenhoff für eine Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zum Kommunionempfang aus. Eine Änderung der bisher restriktiven Praxis sei aus mehreren Gründen notwendig: Zum einen stelle die große Zahl Betroffener einen tatsächlichen "pastoralen Notstand" dar, über den man nicht einfach hinwegsehen könne. Zum anderen sprächen sowohl biblische Gründe als auch die frühe christliche Praxis gegen eine dauerhafte Verurteilung und einen Ausschluss Betroffener von den Sakramenten.
Der biblische Rückbezug auf die Jesus-Worte von der Unauflöslichkeit der Ehe vor Gott dürfe nicht einfach mit einer kirchenrechtlichen Norm gleichgesetzt werden, so Schockenhoff. Außerdem fänden sich bei den Evangelisten Markus und Matthäus sowie beim Apostel Paulus auch "gegenläufige Tendenzen" und "Ausnahmesituationen", in denen auch die Scheidung einer gültigen Ehe hingenommen werden könne. Die Unauflöslichkeit der Ehe bleibe insgesamt der "alleingültige Maßstab", das bedeute aus biblischer Sicht jedoch nicht, dass es nicht auch "Ausnahmesituationen von dieser Norm" geben könne. Diese "flexible Ausnahmeregelungen in Härtefällen" hätten auch die kirchliche Praxis in den ersten Jahrhunderten geprägt, so der Theologe.
Im übrigen habe sich selbst Joseph Ratzinger diese Perspektive, die sich auch bei den Kirchenvätern finde, zu eigen gemacht, zitierte Schockenhoff etwa aus einem Aufsatz des heutigen Papstes aus dem Jahr 1972: "Unterhalb der Schwelle der klassischen Lehre, sozusagen unterhalb oder innerhalb dieser eigentlich die Kirche bestimmenden Hochform, hat es offensichtlich immer wieder in der konkreten Pastoral eine geschmeidigere Praxis gegeben, die zwar nicht als dem wirklichen Glauben der Kirche ganz konform angesehen, aber doch auch nicht schlechthin ausgeschlossen wurde." Eine geregelte Zulassung Betroffener zu den Sakramenten liege damit - so Ratzinger vor 40 Jahren - "voll auf der Linie der kirchlichen Überlieferung".
Für die Zulassung zu den Sakramenten spricht laut Schockenhoff auch die Tatsache, dass ja auch in einer neuen zivilehelichen Verbindung "alle wesentlichen Elemente" vorhanden sein können, "die nach kirchlichem Verständnis für eine Ehe konstitutiv sind": Treue, die Bereitschaft zur Ganzhingabe an den Partner, Offenheit für Kinder etc. Daher könne eine kirchenrechtlich ungültige Zweitehe, "in der das gelebt wird, was das Wesen einer Ehe ausmacht, nicht als Nicht-Ehe oder gar als Konkubinat bezeichnet werden". Auch die Rede vom "fortgesetzten Ehebruch" oder dem "Zustand schwerer Sünde" sei angesichts dieser Überlegungen "vollends inakzeptabel".
Aus einer solchen "theologischen Neubewertung" einer zivilen Zweitehe folge "stringent, dass geschiedene und wiederverheiratete Menschen nicht dauerhaft oder bis zum Tod ihres ersten Partners vom Kommunionempfang ausgeschlossen sind", so Schockenhoff. "Aus Hochachtung vor dem Gewissensurteil der Betroffenen" müsse die Kirche mehr noch geradezu dazu einladen, dass Betroffene am kirchlichen Leben und der eucharistischen Gemeinschaft teilhaben. Erst dann nämlich biete die Kirche den Betroffenen eine wirkliche "Chance zur Versöhnung" - noch dazu würde eine solche "öffentlich, von der Kirche ausgesprochene Geste" eine "verhängnisvolle Fehlentwicklung" korrigieren: nämlich jene, dass die Kirche herzlos und letztlich uninteressiert an diesen Menschen sei.
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...hilft Neuevangelisierung“
RADIO VATIKAN: Neue kirchliche Gemeinschaften und klassische Orden sollten keine Berührungsängste haben. Das empfiehlt die neue Untersekretärin der vatikanischen Ordenskongregation, Nicoletta Spezzati. Wenn geistliche Lebensformen das Evangelium als ihre Quelle betrachteten, sei bereits eine Übereinstimmung da, sagte die Ordensfrau der vatikanischen Tageszeitung „Osservatore Romano“ vom Donnerstag.
Probleme sehe sie, wenn eine Gemeinschaft ihr Charisma verabsolutiere oder gegen andere richte. Sie verschließe sich damit „der gemeinschaftlichen Identität der Kirche“, so Spezzati. Allerdings arbeiteten Ordensgemeinschaften und neue geistliche Bewegungen in vielen Diözesen der Welt bereits zusammen, betonte sie. Den verschiedenen Gemeinschaften der Kirche schreibt die Vatikan-Vertreterin eine wichtige Rolle bei der Neuevangelisierung zu.
Mit ihren pädagogischen Ressourcen, ihrer Forschung, mit Einrichtungen und mit ihrem Personal seien Orden im Bildungssektor sehr präsent. Das gelte auch für den neuen digitalen Kommunikationsbereich; dort bewegten sich viele Menschen, die sonst überhaupt keine Berührung mit Glauben und Kirche hätten.
(kna/or 02.02.2012 pr)
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... bekräftigen Zusammenarbeit
100. "Sozialstammtisch" im Zeichen des Einsatzes gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit - Bischof Schwarz: "Einstehen für Würde und Gemeinwohl"
LINZ, 01.02.2012 (KAP) Im Einsatz gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit braucht es die Zusammenarbeit über alle politischen und gesellschaftlichen Grenzen hinweg. Darin waren sich die Teilnehmer des 100. Linzer "Sozialstammtisches" - neben Bischof Ludwig Schwarz auch hochrangige Gewerkschaftsvertreter und Wirtschaftsforscher Markus Marterbauer - einig. "Nur wenn Menschen einstehen für Würde und Gemeinwohl wird auch eine Politik möglich, die zukunftstauglich ist", betonte Schwarz in seinem Statement.
Marterbauer setzte sich in seinem Vortrag bei Jubiläumsstammtisch mit der weltweit zunehmenden Ungleichheit in der Verteilung auseinander. Er stellte klar: Nicht der Sozialstaat, sondern die Finanzkrise habe die Schuldenkrise verursacht. Entgegen vieler Behauptungen habe der Sozialstaat sogar stabilisierende Wirkung gehabt und die Krise abgefedert.
Marterbauer forderte in erster Linie die Gestaltungskraft der Politik ein, um eine nachhaltige Änderung des Systems zu erreichen. Der Sozialstaat dürfe nicht abgebaut werden, sondern müsse umgebaut werden um besser gegen Armut abzusichern.
Kritisch sah Marterbauer den Sparwahn in Europa: Sparen würge die Wirtschaft ab. Seine Ansätze: Investitionen in Zukunftsfelder wie Kinderbetreuung, Bildung, Arbeitsplätze für Frauen, in die Pflege und gegen Armut. Das lehre auch die Geschichte. Marterbauer: "Jene Länder, die wie die USA in den 1930er-Jahren gut aus der Krise gekommen sind, haben zwei Dinge gemacht: Sie haben die Steuern, etwa auf Erbschaften oder Spitzeneinkommen massiv erhöht und das Geld genutzt, um zum Beispiel in Infrastruktur und Bildung investiert."
Die einseitige Fokussierung der EU-Spitzen auf die Schuldenfrage bereitete Marterbauer genauso Sorgen wie die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Würde man beide Phänomene gemeinsam betrachten, würde schnell klar, "dass Sparprogramme und Sozialabbau viele Probleme verschärfen", so der Wirtschaftsforscher.
100 "Sozialstammtische" seit 1997
Die Diözese Linz und deren Sozialreferat, die Katholische Arbeitnehmerbewegung, die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung und der Gewerkschaftsbund Oberösterreich hatten zum bereits 100. Mal zum "Sozialstammtisch" ins Linzer Cardijn Haus eingeladen. Die Veranstaltung besteht seit 1997.
Der ÖGB-Landesvorsitzende Johann Kalliauer würdigte die Initiative: "Beim Engagement gegen Arbeitslosigkeit und Armut, für den freien Sonntag und die Menschenwürde nehmen die Katholische Kirche und der ÖGB die gleiche Position ein. Um unsere Ziele zu erreichen, braucht es Verbündete."
"Die Sozialstammtische sind ungeheuer gewichtig, weil sie Kräfte bündeln, die über Parteigesinnung hinweg für Menschenwürde sorgen", meinte auch der Linzer Altbischof Maximilian Aichern. Ähnlich äußerte sich Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Ackerl.
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